Umzug die Erste

Es ist soweit. Die Wohnungssuche ist abgeschlossen, meine letzten Arbeitstage in München sind an einer Hand abzählbar und alle bestehenden Verträge sind gekündigt. Zeit für den Umzug nach Kopenhagen.

Hürde #1 — unverschämte Umzugsunternehmen

Wir haben vor einiger Zeit bereits Angebote von Umzugsunternehmen eingeholt. Leider ist und bleibt ein Umzug sehr teuer. Selbst dann, wenn wie in unserem Fall eigentlich nur wenige Möbel überhaupt umziehen sollen. Spitzenreiter waren die Umzugsunternehmen aus München und Fulda mit Angeboten rund um 6000€. Das ist allerdings der reine Transport, Umzugskisten und Packleistungen wären noch extra zu bezahlen. Versichert wären unsere Sachen dann bis etwa 12000€. Das wird mit Sicherheit nicht reichen. Und… wenn unsere Habseligkeiten nur 12000€ wert sind, kann ich statt dem Umzug für 6000€ auch die Hälfte in Kopenhagen neu kaufen. Das ist doch völliger Blödsinn.
Das Internet hat uns dann noch etwas günstigere Angebote beschert; knapp unter 3000€ könnte der Umzug auch stattfinden.

Am Ende ist es aber so, dass wir auf Abenteuer stehen und ich ohnehin im März (fast) nicht mehr arbeiten muss. Zeit haben wir also genug, entsprechend wird der Umzug doch noch selbst organisiert. Bei der weiten Strecke und den zu transportierenden Gegenständen erfordert das einiges an Planung. Im Schnelldurchgang wurden also Aufgabenlisten erstellt und befüllt:

  • zu prüfende Verträge
  • zu entsorgender Müll
  • zu verkaufende nutzlose Gegenstände
  • bei den Eltern zwischenzulagernde Dinge
  • zu besorgende Dinge
  • ungeklärte Dinge
  • erledigte Dinge

Hürde #2 — das Umzugsauto

Die Vorbereitungen in den Abendstunden nach der Arbeit sind bald geschafft. Zeit ein Umzugsauto zu organisieren. Recht schnell zeigt sich, dass es im Grunde nur zwei Anbieter gibt, die Autos in unserer vorgestellten Größenordnung für Einwegmieten anbieten. Das sind Buchbinder und Avis.

Bei Buchbinder sind die Autos billiger — dafür haben sie nur 300km inklusive.
Avis ist teurer — dafür sind alle Kilometer inklusive und eine Vollkaskoversicherung mit 0€ Selbstbeteiligung möglich.

Da wir den Termin für die Schlüsselübergabe in Kopenhagen nur sehr kurzfristig bekommen haben, kosten Fährtickets für Rostock-Gedser mittlerweile 108€ pro Strecke. Für einen PKW versteht sich; der geplante Mini-LKW ist vermutlich zu lang, um noch als PKW durchzugehen. Entsprechend werden wir über das Land, über Flensburg, Kolding, Odense und die Große-Belt-Brücke nach Kopenhagen fahren. Am Ende haben wir uns für Avis entschieden. Bei Buchbinder war man nicht in der Lage, zu berücksichtigen, dass eine Einwegmiete von München nach Flensburg mit 300 Inklusivkilometern schwierig werden könnte. Das ist auch dem Mann am Telefon aufgefallen — ändern konnte er das allerdings nicht. Weil das Schicksal einem immer Streiche spielt, hat Avis kurzerhand 7 Tage vor der geplanten Abfahrt dann unsere Buchung storniert. Bemerkung: „Der Grund dafür ist, dass diese Fahrzeuggruppe an dieser Anmietstation nicht verfügbar ist.” Ok… und wozu habt ihr unsere Buchung dann erstmal bestätigt, wenn ihr gar kein Auto habt?
Im Chat habe ich später in der Woche dann doch noch eine andere Station in München gefunden, die auch tatsächlich in der Lage ist, Transporter zu vermieten. Drei Tage vor der Abfahrt haben wir also wieder eine Buchungsbestätigung.

Hürde #3 — LKW fahren

Ok, eigentlich keine echte Hürde. Das Auto ist schnell abgeholt und wir lernen von unserem freundlichen Vermieter, dass er bis heute (29.02.2020) für dieses Jahr bereits 90 Einwegmieten mit Transportern hatte. Letztes Jahr waren dies für das gesamte Jahr nur 30. Es scheint wohl einen deutlichen Trend zu geben, dass München unbeliebter wird. Ganz ehrlich, ich kann es verstehen.

Der in der Mitte ist uns 😉

Der kleine LKW ist in etwa so wendig wie ein großer LKW. Davon abgesehen, merkt man den Unterschied zum PKW höchstens am Spritverbrauch. Eine volle Ladung Diesel reicht für knapp 500km. Da schafft unser Ford Focus ja fast das Doppelte!

Hürde #4 — der Parkplatz

Unsere Nachbarin, Patricia, die über uns wohnt, hat uns glücklicherweise am Abend zuvor angekündigt, dass sie ebenfalls am Samstag umzieht. Ihr Umzugsunternehmen kommt aber schon um 07:30 Uhr und holt nur die Möbel ab. Bis wir also unser Auto abgeholt haben, sollten die bereits weg sein und mit ihrem 7,5t-LKW eine gute Parklücke für uns hinterlassen haben.
Nur wer zum Henker soll denn nun damit rechnen, dass an diesem Samstag andere Nachbarn noch eine neue Küche geliefert bekommen und die wieder nächsten Nachbarn Handwerker zum Ausmessen für Möbel da haben. Unsere Einfahrt ist jetzt völlig zugeparkt mit Lieferwagen und Transportern. Der Plan war doch irgendwie anders.

Parkplatz freihalten.

Da hilft es doch glatt, wenn man bei den Senioren gelernt hat. Kaum ist einer der Monteure abgerauscht, habe ich uns den Parkplatz „reserviert“ und warte darauf, dass Anne mit unserem Transporter um die Ecke kommt.

Hürde #5 — das Sofa

Kommen wir nun endlich zu dem Einpacken. Uns war schon vorher klar: Unser riesiges Sofa in das Auto zu verladen, ist für zwei Leute eine Mammutaufgabe. Am Ende war es klug, dass wir so viel Luftpolsterfolie gekauft haben. Das Sofa in Folie eingewickelt haben wir es über die Terrasse und durch den Garten in das Auto gezogen, gezerrt und … gerollt! Gott sei Dank, dass man in der Schule auch Geschichte hat. Wie transportiert der Ägypter Steine für Pyramiden? Wie baut der Römer seine Aquädukte? Klar, eine zusammengerollte Yogamatte ist schnell unter dem Sofa drapiert und dient uns als Rollbrettersatz.
Nichtsdestotrotz, diese Aktion hat uns fast zwei Stunden gekostet und war unglaublich anstrengend.

Nach etwa 10 Litern Schweiß steht das Sofa sicher im Auto. Linkerhand, die altrömisch-ägyptische Yogamatte.

Von jetzt an, heißt es Möbel abbauen, Kisten und Teile zum Auto tragen und schnellstmöglich verladen. Soll heißen, einer trägt, der andere sorgt für eine gleichmäßige Beladung und Sicherung.
Pünktlich zum einsetzenden Regen und Sonnenuntergang ist der LKW soweit wie möglich voll geladen. Der ersten Etappe in Richtung Fulda steht jetzt also nichts mehr im Weg.

Profis hätten da vermutlich noch etwas mehr hinein bekommen wie wir. Viel mehr ist im Moment aber auch noch nicht transportbereit in der Wohnung.

Hürde #6 — Höchstgeschwindigkeit 100km/h

Oh man. Schwer beladen und bergauf in Richtung und über die Rhön fährt sich das Teil echt nicht mehr besonders flott. Wer nicht aufpasst und zu spät Vollgas gibt, kriecht den Berg nur noch mit 70 km/h hinauf.

Wenn auch spät, ist das Tagesziel „Einladen und bis nach Fulda fahren“ um etwa 21:30 Uhr erreicht. Vielen Dank an das hevorragende Empfangskomittee und die leckeren Cordon Bleus zur Nacht!

Hürde #7 — Stau und Grenzkontrolle

Am nächsten Morgen hilft alles nicht, ein wenig Ausschlafen muss doch sein. Immerhin haben wir gestern fast 6 Stunden lang das Auto beladen und haben heute eine weite Tour vor uns. Ob wir es am Ende heute schon bis nach Kopenhagen schaffen, war uns im Vorfeld noch nicht klar. Nach dem Auftakt nach Fulda am vorigen Abend fürchten wir aber beide, dass dieses Ziel vielleicht etwas zu optimistisch ist.

Immerhin kann man im Stau auch staunen. Nämlich auf riesige Containerschiffe im Harburger Hafen.

Letztendlich geht es aber ab Kassel quasi nur noch bergab und wenn unser LKW erstmal rollt, dann rollt der. Und ruckzuck sind wir bereits in Hamburg. Die Baustelle rund um den Elbtunnel beschert uns den einzigen Stau auf der Tour. Ich denke, damit kann man bei fast 1500km Gesamtstrecke ganz gut leben.

Letzter kurzer Stop auf deutschem Boden.

Auch wenn wir es nicht mehr gewohnt sind, da innerhalb der EU der ganze Schengenraum sich meist wie ein einziges großes Land anfühlt, liegt zwischen Deutschland und Dänemark eine Grenze. Mit unserem großen Auto fallen wir natürlich auf und dürfen entsprechend zur Zollkontrolle. Die ist aber reichlich harmlos und nach einigen kurzen Fragen und Glückwünschen zum Umzug nach Kopenhagen schnell erledigt.

Mit wehenden Fahnen begrüßt uns Skandinavien — und danach die Zollbeamtin.

In Dänemark neigt sich dann nun der Tag zu Ende und wir steuern weiter auf unser Ziel zu.

Auf der Brücke nach Fünen setzt der Sonnenuntergang so richtig ein.

Das Navi behauptet weiter steif und fest, dass wir unser Ziel noch vor 20 Uhr erreichen. Etwas unsicher warten wir mit der Buchung unserer Unterkunft für die Nacht noch, bis nur noch 160km übrig sind. Erst jetzt trauen wir dem Frieden und sind uns sicher: In der Tat kommt man mit einem voll geladenen 3,5t-LKW von Fulda nach Kopenhagen in ungefähr 10 Stunden. So kurz vor knapp, ergattern wir also noch eine Übernachtung für zwei Personen inklusive kostenlosem Parkplatz für 59€ gleich um die Ecke von unserer neuen Wohnung. Schlüsselübergabe ist erst morgen um 11 Uhr.

Keine Hürden mehr

Tja, und ab hier läuft jetzt alles wie geschmiert. Die Schlüsselübergabe ist innerhalb von 15 Minuten über die Bühne gegangen und unser Auto können wir direkt vor der Tür zum Entladen abstellen.

Parkplatz in Poleposition zum Ausladen.

Dank dem hervorragenden Rollbrett geht das Kisten ausladen in Windeseile und nach nicht mal einer halben Stunde ist das Auto schon halb leer.

Wozu tragen, wenn wir schon Räder erfunden haben.

Dank tatkräftiger Unterstützung aus Annes voriger WG ist auch der Rest im Handumdrehen ausgeladen. Es fehlt nur noch das Sofa.
Doch auch hier gilt: Sofa auf Rollbrett, Sofa in Aufzug und schon ist eine Menge Kraft gespart. Allerdings auch Hut ab: Jana kann echt gut mit beipacken. Einwandfreie Unterstützung. Mit Sofa ist es im Aufzug zwar recht kuschelig, es passt aber gerade so.

Keine Ahnung, was wir gemacht hätten, wenn das Sofa nicht in den Aufzug gepasst hätte. Hat es aber! 😛

Zu guter Letzt müssen heute also nur noch die wichtigsten Dinge an ihren Platz und der Abend kann ausklingen.

Hürde #8 — und wieder zurück

Leider sind keine internationalen Einwegmieten mit Transportern bei Avis möglich. Daher hieß es für mich heute morgen: Um 5:30 Uhr Aufbruch in Richtung Flensburg, damit das Auto sicher bis um 10 Uhr abgegeben ist.

Viel zu früh geht es wieder zurück hinter das Steuer…

Die Rückfahrt ist unspektakulär aber lästig. Da ja ungewiss war, wie gut und schnell ich tatsächlich bis nach Flensburg komme, habe ich meine Bahnrückfahrt von dort nach München erst für kurz nach 13 Uhr gebucht. Dafür bleibt wenigstens Zeit, endlich das ausgefallene Frühstück nachzuholen.

Die Serpentine vor dem Bahnhof in Flensburg. Kein Witz, die Straße heißt wirklich so!
Frühstück!

Epilog

Da ja zu Beginn leider nicht alles in der ersten Tour hat mit umziehen können und ich noch drei letzte Arbeitstage in München habe, wird es bald eine zweite Auflage von diesem Ritt geben. Dieser jedoch — so vermute ich — wird deutlich angenehmer, da der Rest nun doch recht schnell und einfach gehen sollte.

… falls doch nicht, wird es sicherlich einen weiteren Artikel geben 😉 .

6 Kommentare zu “Umzug die Erste

  1. Peter, Congratulation 😉👍

    habt ihr sauber hinbekommen.
    Vor allem mit dem riesen Sofa 😉
    Und der Tagesbericht ist genial !

    Guten Start euch beiden im gemeinsamen Nest ❤

    Ganz liebe Grüße
    aus Lauterbach Siggi

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