Ich seh’ den Sternenhimmel!

Nach der kurzen Wanderung auf dem Eland Trail machen wir es uns so richtig schön gemütlich in unserem Zwergenhäuschen. Es gibt keine Heizung, sondern nur einen Kamin zum Feuer machen. Yuhu!!! Vielleicht bin ich leicht pyromanisch veranlagt, aber es gefällt mir einfach, ganz ohne technischen Schnickschnack nur mit Feuer zu heizen oder ein tolles Essen zuzubereiten. Einen Pack Braai Holz (Braai ist die südafrikanische Form des Grillens und ein Volkssport.) haben wir gleich am Nachmittag mit rein genommen. Und los geht’s!

Da die Wärme über die ganze Nacht halten soll, heize ich uns gut ein und um ehrlich zu sein ist es draußen schon echt sehr kalt. Also schicke ich Peter nach dem Essen nochmal raus um neues Feuerholz zu holen. Eher missmutig wegen der Aussicht auf die Kälte macht er sich auf den Weg. Als er wieder rein kommt, fordert er mich auf sofort alles stehen und liegen zu lassen und mit nach draußen zu kommen. Das müsse ich mir unbedingt ansehen. Brrr kalt… denke ich mir… aber… Ach du liebe Zeit!!! Das gibt es doch nicht!!! Wow!!!

Ich seh’ den Sternenhimmel!

Ich bin absolut überwältigt. Bisher waren wir immer in recht hell erleuchteten Hotelanlagen und mussten ja auch meist für die Safarifahrten sehr früh raus. Da war für Sternegucken noch keine echte Gelegenheit. Hier in den Bergen ist es endlich so richtig dunkel. Ok, ich mag als Astrophysikerin hier vielleicht etwas voreingenommen sein was meine Begeisterung für den Sternenhimmel angeht, aber es war wirklich unbeschreiblich schön! So schön, dass Müdigkeit und Kälte sofort weggewischt sind und ich ewig da so stehen und in den Himmel starren könnte. Hier ist es nicht nur sehr dunkel verglichen mit vielen Gegenden in Deutschland und Europa. Wir befinden uns auch auf der Südhalbkugel. Von hier aus kann man nicht nur die Ausläufer der Milchstraße wie in Europa sehen, sondern auch das Zentrum unserer Galaxy. Dort ist die Anzahl der Sterne auf der gleichen Fläche am Himmel viel höher.  Außerdem kann man von hier aus die magellanschen Wolken sehen. Das sind Zwerggalaxien, die von der Gravitationskraft der Milchstraße angezogen werden und langsam in unsere Galaxy hineinfallen. Ihr seht, ich könnte nach Seitenweise vorschwärmen, wie schön dieser Anblick war. Aber was soll das… schaut es euch doch einfach selbst an, ein Bild sagt schließlich mehr als 1000 Worte.

Was sieht man da jetzt? Was ihr da seht, ist unsere Milchstraße. Genauer gesagt das Zentrum der Milchstraße. Die Sonne ist einer von unglaublich vielen Sternen, die zusammen unsere Heimatgalaxie, die Milchstraße bilden. Je nachdem wo auf der Erde wir sind können wir andere Teile dieser Galaxie sehen. Auf der Nordhalbkugel schaut man auf die äußeren Teile, auf der Südhalbkugel kann man wie ihr hier sehen könnt direkt auf das Zentrum blicken. Das Zentrum selbst können wir aber nicht sehen. Davor sind diese merkwürdigen dunklen Bereiche, in denen es weniger Sterne zu geben scheint. In Wirklichkeit sind dort aber nicht weniger Sterne, sondern eine große Menge von Staub. Der versperrt uns die Sicht auf die Sterne, die hinter dem Staub liegen.

Wie macht man eigentlich solche Fotos? 

Als erstes muss es natürlich dunkel sein. Klar, je dunkler, desto besser, aber ihr müsst dafür nicht extra verreisen, der Stadtrand tut es auch. Hauptsache ihr habt freie Sicht auf den Himmel und ihr steht nicht direkt unter einer Straßenlaterne. Dann müsst ihr warten, bis die Sonne untergegangen ist. Im Winter ist das früher der Fall als im Sommer, man muss also nicht so lange wach bleiben. Dafür friert man auch etwas mehr. Wie immer bekommt man nichts geschenkt, aber die Belohnung sind hoffentlich tolle Bilder.

Das Stativ

Ihr braucht natürlich ein Stativ, auf das ihr die Kamera fest montieren könnt. Für Sternenfotos müsst ihr seeeehr lange belichten. Dabei ist es wichtig, dass die Kamera nicht wackelt, sonst sind die Sterne am Ende keine Punkte, sondern verschwommene Flecken. Wenn ihr ein schweres und stabiles Stativ habt, dann wird die Kamera weniger wackeln, logisch. Wenn ihr aber nur ein günstiges leichtes Stativ habt oder ein leichtes Reisestativ, dann ist das auch kein Beinbruch. Achtet dann einfach besonders darauf das Stativ an einer windgeschützten Stelle aufzubauen und fahrt die Beine so wenig wie möglich aus.  Dann könnt ihr noch, falls das Stativ in der Mitte einen Haken hat eine schwere Tasche an das Stativ hängen, damit der Schwerpunkt weiter nach unten verlagert wird. Das wird die Stabilität des Stativs verbessern.

Das Objektiv

Als Objektiv wählt ihr dann am besten ein Weitwinkelobjektiv mit möglichst kleiner minimaler Blende. Bei der Brennweite geht es darum, dass euer Blickfeld möglichst groß sein soll. Das hat den Vorteil, dass hinterher auf dem Bild mehr zu sehen ist.

Hier haben wir ein Beispiel für eine Brennweite von 11 mm an einer APSC Kamera:

 

Und hier ein paar Aufnahmen mit einer Brennweite von 40 mm an einer APSC Kamera:

2017-08-17 20-53-12 Bergville 3769

2017-08-17 20-10-04 Bergville 3763

2017-08-17 20-42-15 Bergville 3768

Die Brennweite hat aber auch einen Einfluss auf die Belichtungszeit. Je kürzer die Brennweite, desto weniger sieht man die Bewegung der Sterne. Ihr könnt dann also länger belichten.

Warum bewegen sich eigentlich die Sterne auf dem Bild? Eigentlich bewegen sich die Sterne gar nicht, das sieht nur so aus. Was sich bewegt ist die Erde. Die dreht sich nämlich um ihre eigene Achse und das dauert ziemlich genau 24 Stunden. Das ist recht langsam, aber wenn man mit der Kamera lange belichtet, dann sieht man das. Belichtet man extrem lange, dann werden daraus sogenannte Strichspuraufnahmen. Die sind auch sehr schön, aber hier wollen wir scharf abgebildete Sterne.

Die Technik – Fokussieren, Blende, Belichtungszeit und ISO

Bevor ihr jetzt loslegen könnt müsst ihr noch fokussieren. Im Dunkeln funktioniert allerdings der Autofokus nicht. Wer geübt im manuellen fokussieren ist, für den ist das hier ein Kinderspiel. Wenn ihr das noch nicht so oft gemacht habt, dann übt manuelles fokussieren vielleicht mal tagsüber. Wenn man müde ist und friert kann man hier sonst schnell die Geduld verlieren. Es ist aber wirklich ärgerlich nach einer durchgemachten Nacht festzustellen, dass alle Bilder unscharf sind.  Manuell fokussiert ihr am besten im Live View, dann könnt ihr einen Bildausschnitt vergrößern und besser beurteilen, ob das Bild wirklich scharf ist.

Jetzt kann es endlich los gehen mit den ersten Fotos. Die Blende macht ihr so weit auf wie möglich, damit so viel Licht wie möglich auf den Sensor fallen kann. Achtet aber darauf eine Blende auszuwählen, bei der das Objektiv auch scharf abbildet. Manchmal lohnt es sich eine Stufe abzublenden und dafür den ISO etwas höher einzustellen. Die Belichtung müsst ihr jetzt so wählen, dass die Sterne auf dem fertigen Bild noch möglichst punktförmig sind. Wie lange das genau ist hängt von der Brennweite eures Objektivs ab, der Richtung in die ihr fotografiert und wie turbulent die Luft ist.

Warum macht die Luft da einen Unterschied? Wenn die Luft sich stark bewegt und das Licht viele unterschiedlich warme Luftschichten durchqueren muss bevor es auf euren Chip fällt, dann erscheint der Stern nicht immer an genau derselben Stelle, sondern wackelt ein kleines bisschen hin und her. Diesen Effekt könnt ihr in besonders gut sehen, wenn an einem heißen Sommertag die Luft über der Straße flimmert. Das ist bei den Sternen nicht ganz so extrem, wenn ihr aber lange belichtet, und eine stürmische Nacht erwischt oder an einem warmen Sommerabend auf Tour seid kann man das manchmal schon sehen. Deswegen ist es auch besser im Winter Sterne zu fotografieren, denn da ist die Luft meist viel ruhiger. Das ist auch der Grund weshalb viele Teleskope auf hohen Bergen stehen, da ist die potentiell störende Luftschicht nämlich viel kleiner.

Wenn ihr jetzt die Belichtungszeit festgelegt habt, dann stellt den ISO Wert ziemlich hoch ein. Normalerweise möchte man den ISO Wert immer so niedrig wie möglich einstellen, damit man unnötiges Bildrauschen vermeidet. Bei Sternenaufnahmen ist es aber viel wichtiger, dass die Empfindlichkeit des Chips hoch genug ist um die wenigen Lichtstrahlen auch zu registrieren. Das Rauschen könnt ihr nachher noch recht gut entfernen, nicht vorhandene Information könnt ihr aber nicht wieder beschaffen. ISO 1600 oder 3200 sind hier ganz gute Richtwerte. Aber wie immer gilt auch hier ausprobieren um herauszufinden, wie es euch besser gefällt.

So ausgerüstet könnt ihr schon mal los legen und ein paar tolle Aufnahmen machen. Wir haben aber noch ein paar Tricks für euch um noch bessere Fotos zu machen. Die gibt es dann im nächsten Beitrag. Bis dahin viel Erfolg bei euren eigenen Astrofotoexkursionen.

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