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Oh man. Unser letzter Artikel ist nun schon über ein Jahr her. Während Corona passiert allerdings auch nicht allzu viel — sollte man meinen. Stimmt aber nicht. Seit März 2021 sind wir nun zu dritt unterwegs und haben auch gleich den passenden Reisestil für uns entdeckt. Einmal ausgeliehen und eine Woche lang getestet, haben wir uns in das Reisen mit einem Camper-Van verliebt. Nachdem wir jetzt monatelang zu faul waren, arbeiten wir also eine ganze Reihe älterer Geschichten auf, um euch auf den aktuellen Stand zu bringen.

Von vorne

Vor einiger Zeit hatten wir bei unserer Verwandtschaft Gelegenheit uns auf der Camping-Messe in Freiburg im Breisgau umzuschauen. Damals dachten wir noch an ein Gefährt aufgebaut auf einem Ford Nugget. Die Möglichkeit unsere Foto- und Radtouren an beliebigen Orten zu starten erschien verlockend. Die Idee lag dann lange auf Eis. So ein Miniwohnmobil kauft man ja nicht jeden Tag und irgendwie wollten wir uns auch kein zweites Auto an den Hals hängen.

Mittlerweile gibt es unser altes Auto nicht mehr und wir leben in einer anderen Stadt, in einem anderen Land, haben andere Jobs und obendrein die Verantwortung für unsere Maus. Es war also definitiv an der Zeit zu schauen, wie wir nun mit ganz anderen Voraussetzungen noch immer unsere Abenteuer bestreiten können. So kamen wir zurück zu der Wohnmobil-Idee. Immer gleiche Umgebung für unsere Maus, ein garantierter Schlafplatz mit verlässlichem Komfort und Essen kann auch jederzeit geliefert werden — nur ein paar Vorteile des Reisens mit Kleinkind im Womo. Zu dritt erschien uns nun jedoch ein größerer Van praktischer. So haben wir es einfach ausprobiert und haben spontan bei uns in der Nähe einen Hymer Free für eine Woche ausgeliehen.

Relativ spontan ging es dann gute zwei Stunden in Richtung Albuen Strand auf die Insel Lolland in Dänemark. Auf dieser Testreise wollten wir mehrere Dinge ausprobieren:

  • Was können wir mit unserer kleinen Maus jetzt schon unternehmen?
  • Kommen wir mit dem Leben auf engem Raum (und mit Baby) in einem Camper-Van zurecht?
  • Bekommen wir unser ganzes Gepäck auch in einem 6m Auto unter?

Dabei sind natürlich unser Kinderwagen, den man auch zum Fahrradanhänger umbauen kann, sowie unserer Räder, die gesamte Fotoausrüstung und was man sonst noch zum Überleben braucht mit an Bord: Also viel zu viel. Erstaunlicherweise hat das für uns alles auch in dem nur mittelgroßen 6m Auto einwandfrei geklappt. Es gibt Campervans ja auch in 6,40m Länge. Das käme für uns als eigenes Auto aber eher weniger in Frage, da es bei uns das einzige Auto wäre. Eine begrenzte Alltagstauglichkeit sollte daher schon gegeben sein.

Ankunft

Leider konnten wir das Auto erst mittags beim Verleih Fritidsbiler in Haslev (ca. 1 Stunde Fahrzeit) abholen und erst danach bei uns vor der Haustür beladen. So sind wir erst spät losgekommen und haben auf unserem Campingplatz angekommen auch prompt keine Steckdose mehr im Dunklen für unseren Landstrom gefunden. Naja, stimmt nicht ganz. Gefunden haben wir die schon. Das Kabel, das wir dabei hatten, war aber nicht lang genug und die Rezeption vom Platz nicht mehr besetzt. Also gleich ins kalte Wasser und die erste Nacht nur mit Strom aus dem Akku überstehen — wird schon gutgehen. Wir wollten ja ohnehin wissen, wie gut oder schlecht man auch ohne Infrastruktur übernachten kann. Also haben wir schnell unser erstes Abendessen unterwegs gekocht — um 21:40… und danach ab ins Bett. Morgen wollen wir schließlich die Gegend erkunden!

Bei der Auswahl unseres Campinggefährts haben wir auf ein paar Dinge geachtet. Die Gazheizung lässt sich per Thermostat prima auf 20°C einstellen. Das Bett ist in unserem Fahrzeug ein Querbett. Während Betten längs zur Fahrtrichtung in Campingvans in der Regel als zwei Einzelbetten ausgeführt sind, sind die Querbetten meist französische Doppelbetten. Unsere Maus kann also im Querbett auf der Heckseite oder zwischen uns schlafen. Rausfallen kann sie dort nicht und Fortbewegungsarten müssen erst noch erlernt werden. Leider haben wir vergessen ein Foto von der Inneneinrichtung des Campers und besonders vom Bett zu machen. Das werden wir dann später an anderer Stelle wohl noch nachholen.

Am nächsten Morgen begrüßt uns Lolland typisch Dänisch: Regen, Sonne und viel Wind. Immer schön im Wechsel. Wie gewohnt im Urlaub ignorieren wir das aber einfach und ziehen zu dritt los den Albuen erkunden. Ein kurzer Spaziergang über einen asphaltierten Weg führt uns zum Parkplatz am Meer, wo sich auch einige Kitesurfer für ihre Touren bereit machen. Der Albuen ist eine 8km lange Landzunge ganz im Westen der Insel Lolland. Auf der westlichen Seite befindet sich das Meer, der Langelandsbelt, auf der östlichen ein Fjord, das Søndernor.

Albuen

Von hier starten wir dann gleich eine kleine Wanderung die Landzunge entlang. Die Aussicht dabei ist wirklich schön. Auf der einen Seite die Brandung vom Meer, dann Schilf und Wiese auf einem Sandstrand, die sich im Wind wiegen, und darauf gefolgt der stille Fjord. Stellenweise hat der Wind das Wasser vom Strand weggedrückt und es kommen Krabbenskelette im Watt zum Vorschein.

Der Weg auf der Landzunge ist dank viel Sand und Gegenwind nicht besonders leicht zu gehen, sodass wir schnell wieder umkehren und ein schnelles Mittagessen im Auto einnehmen. Wir waren ja auch besonders gut vorbereitet und hatten weder Proviant noch sonst irgendwelche Vorbereitungen getroffen. Memo für zukünftige Abenteuer: Etwas mehr Vorbereitung schadet nicht.

Langø

Am Nachmittag gehen wir auf einem Weg auf dem Deich um die andere Seite des Fjords herum zu dem kleinen Örtchen Langø. Dort soll es auch einen kleinen Imbiss geben. Bei unseren Planungsfehlern vom Vormittag ist das sicherlich ein gutes Ziel.

Unterwegs gibt es immer wieder Kleinigkeiten zu entdecken. An einer Stelle sind Boote abgestellt.

An einer anderen findet man ein nettes reetgedecktes Haus.

Auf dem Rückweg testen wir dann noch die Abenteuertauglichkeit unserer Maus. Ok… vielleicht auch eher die unseres Kinderwagens. Zuerst halten wir die Füße (oder Räder?) ins Wasser.

Danach geht es unter einer Absperrung im Limbo durch.

Dann erkunden wir schmale Schleichwege.

Und zu guter Letzt die Königsdisziplin: Offroad mit All-Hands-Antrieb.

Albuen — die Zweite

Am nächsten Tag starten wir also einen neuen Versuch die Landzunge Albuen zu erkunden. Dieses Mal mit Proviant und besserer Vorbereitung im Gepäck wollen wir es möglichst weit schaffen. Das Wetter ist heute gnädiger. Viel Sonne und Wolken… und viel Wind! Dänemark halt. Ohne Wind geht hier einfach nichts.

Während die Landzunge stellenweise keine 50 Meter breit ist, wird sie nach ein paar Kilometern deutlich weiter und bietet Platz für eine Viehweide. Hier findet man auch herrlich blühende Wiesen.

Immer wieder denken wir uns, „nur noch bis da vorne!” und laufen immer weiter und weiter die Landzunge entlang. Der Weg ist hier zwar mittlerweile eher mit einem Feldweg auf einer Wiese zu vergleichen und daher deutlich leichter als der sandige Teil am Anfang, anstrengend bleibt es aber trotzdem.

Auf dem Rückweg versuchen wir es uns etwas einfacher zu machen und gehen statt durch den losen Sand lieber auf dem nassen Sand am Strand zurück. Der starke Wind hat das Wasser im Fjord vom Ufer weggedrückt und uns hier eine super Lauffläche freigelegt.

Während auf dieser Seite der Zunge kein Wasser mehr ist, so finden wir zurück auf der anderen Seite eine schäumende See. Hier ist es genau umgekehrt und der Wind peitscht das Wasser auf und drückt die Wellen in Richtung Land.

So richtig klar war uns vorher nicht, wo wir hier hingefahren sind. Das Ganze war ja eine sehr spontane Angelegenheit. Jetzt gefällt es uns hier aber wirklich gut. Ein toller Kontrast zu Kopenhagen und dem Stadttrubel.

Camperleben

Am Abend gab es dann ein Abendessen, das profan klingt, für dessen Idee wir uns bei der Zubereitung schon geschämt haben und das dann doch unendlich lecker war: Knödel mit Pesto! Klingt total langweilig, mit gutem Pesto ist es aber unfassbar lecker. Und im Campervan ist es obendrein supereinfach zuzubereiten.

Um die Frage nach dem Laderaum zu klären, ja mit einem Kinderwagen und 2 Fahrrädern zusätzlich im Auto wird es schon echt eng. Gehen tut es aber trotzdem. Nur ideal ist diese Verstauweise nicht. Mit den 2 Rädern im Gang kommt man während der Fahrt weder sinnvoll hinten an das Bett, noch in das Bad oder gut an den Herd. Unser geliehenes Auto war anscheinend mehr für ein Dauerdasein auf einem Campingplatz ausgerichtet. Die 4(!) Campingstühle und der Tisch haben den Kofferraum fast komplett gefüllt, so dass wir nur mühevoll überhaupt unseren Kinderwagen dort unterbringen konnten. Für die Räder war dann kein Platz mehr. Wir woltten auf sie aber nicht verzichten, da die nächsten Supermärkte an unseren Zielen teilweise 10km entfernt sind und wir nicht jedes Mal mit dem Auto dorthin fahren wollten.

So, und weil wir ja ach so erfahrene Camper sind (Sind wir nicht!), holt uns hier natürlich auch die erste Panne ein. Bevor wir am nächsten Morgen aufbrechen, wollen wir am Campingplatz noch unser Abwasser loswerden. Das Auto ist also gepackt, alle startklar, nur noch Wasser lassen und weiter geht die Tour. Wir fahren also über das Abflussgitter der Grauwasserentsorgung am Campingplatz, steigen aus schauen auf die Seite mit dem Wasserauslass… und… Ja… wie genau geht denn nun hier dieses Rohr auf? Ach! Dafür ist dieser komische rote Imbusschlüssel, den ich heute morgen ganz unten in der Mitte im Auto unterm Bett verstaut habe! Doof nur, wenn schon Fahrräder und Kinderwagen jeglichen Zugang unter dem Bett versperren. Also muss einer Hals über Kopf auf Tauchstation gehen und die Bergung vornehmen. Zum Glück ging die Suche schnell. Immerhin wusste ich noch, wo ich den Schlüssel zuletzt gesehen hatte.

Dodekalitten

Nach unseren zwei Nächten auf Lolland geht es weiter nach Kragenæs zu den Dodekalitten. Hier angekommen geht es auf einem gemütlichen Weg durch den Wald zu einer Kunstinstallation, die wirklich beeindruckend ist.

Zu elektronischer Musik werden hier mehrere Obelisken von Künstlern zu Statuen gehauen. Das ganze Arrangement erinnert an Stonehenge und hat einen mystischen Touch. Leider ist unsere Videoaufnahme dem starken dänischen Wind zum Opfer gefallen. In jedem Fall hört ihr, was ich mit dem Wind der letzten Tage meinte…

Bevor wir von hier weiterfahren, genießen wir noch ein Eis in der Sonne und gehen im kleinen Supermarkt unsere Vorräte auffüllen. Insbesondere der Kaffee geht uns aus…

Insgesamt könnt ihr euch die Strecke dieses Abschnitts hier anschauen:

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