Die Wikinger müssen wirklich verrückt gewesen sein. Wer um alles in der Welt segelt bitte tagelang über den Atlantik, um sich dann auf Inseln ohne Tiere oder jegliche Pflanzen niederzulassen? Es gibt hier wirklich nur Gras und ein paar Wiesenblumen. Schafe und Pferde wurden importiert. Bäume gibt es auch heute eigentlich nur in angelegten Gärten in der Stadt. Wer sich hier von der Wildnis ernähren will, kann im Prinzip ausschließlich von Fisch leben. Kein Wunder, dass auch heute noch die Fischindustrie den größten Anteil an der Wirtschaft hier ausmacht. Wie wir heute später noch lernen sollen, macht die Fischindustrie mehr als 50% der Wirtschaft aus. Ein großer Teil davon ist wohl die Lachszucht.

Dazu kommt das völlig unberechenbare und unangenehme Wetter. Unser Tripp zur Vogelparadiesinsel Mykines wurde heute schon zum dritten Mal abgesagt. Wegen schlechtem Wetter. Am Donnerstag starten wir nochmal einen letzten Versuch. Dafür haben wir unsere Bootstour von Donnerstag spontan noch auf heute Nachmittag umbuchen können. Es wird also mit T-Shirt, 2 Lagen Pullover, Regenjacke, Regenhose, wasserdichten Schuhen und Mütze anderthalb Stunden durch den Regen entlang der Vogelklippen bei Vestmanna gehen.

Daher sitzen wir gerade im Kaffee und wärmen uns vorher nochmal richtig auf. Wir sind gespannt auf den Nachmittag.

Die Anfahrt nach Vestmanna führt über einen eigentlich schönen Bergpass und in ein ruhiges gemütliches Tal. Auch der Regen hat nun etwas nachgelassen. Mit immer weniger Nebel fahren wir also runter ins Tal, um gerade noch rechtzeitig zu unsere Bootstour an der Touristeninfo anzukommen. Die Tour beginnt mit der Aussicht auf die ehemalige Zuflucht Slættanes, die ihren Höhepunkt während des zweite Weltkrieges hatte. Heute ist dieses nur per Boot erreichbare Dorf verlassen. Nur die Häuser sind geblieben.

Durch den Nebel haben die steilen Klippen eine mystische Aura bekommen. Die höchsten Klippen ragen hier über 700 Meter aus dem Wasser und erinnern an Filme wie Jurassic Park oder Der Herr der Ringe.

Wir lernen, dass wirklich jedes Schaf auf den Färöern einem Bauern hier gehört und es nicht zufällig irgendwo grast. Jedes Schaf wird gezielt auf eine Weide gebracht. Ja, dazu gehören auch diese steilen Weiden hier an den Klippen. Stellenweise sind auch Sicherungsseile und Haken im Fels zu erkennen, die nur von den Hirten genutzt werden, um die Schafe hierher zu bringen. Angeblich ist das Fleisch von diesen Hangschafen wohl besonders schmackhaft.

Durch diese Abgeschiedenheit und für Menschen fast unerreichbaren Orte finden sich hier paradiesische Bedingungen für viele Seevögel, die hier ihre Nester haben.

Während wir unter herausfordernden Bedingungen bei ungefähr zweieinhalb Meter hohen Wellen vor den Klippen entlang fahren, versuchen wir nicht den Halt auf dem regenüberströmten Deck zu verlieren und gleichzeitig die langen Brennweiten nicht zu sehr zu verwackeln. Hier ein scharfes Foto von genau dem gewünschten Motiv zu machen ist wahrlich die größte (fotografische) Herausforderung seit langem.

Dabei passieren wir mehrere imposante Felsformationen und können sogar zum Teil zwischen den freistehenden Steinsäulen unter unter ihnen hindurch fahren. Wer es bis jetzt noch nicht erraten hat: Die Färöer sind ehemals durch Vulkanausbrüche entstanden und wurden durch Erosion von der rauen See des Atlantik in ihre heutige Form gebracht.

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