Ab wann man mit einem Neugeborenen in den Urlaub fahren kann, ist natürlich eine sehr individuelle Sache. Jeder muss für sich selbst entscheiden, wann man nach der Geburt wieder fit genug ist. Das kann natürlich je nach Ablauf ganz unterschiedlich sein. Wir sind jetzt seit fast anderthalb Jahren mit dem Kastenwagen unterwegs. Zuerst im Mietcamper und mittlerweile mit dem eigenen Auto. Bei unserer ersten Reise war die kleine Maus gerade einmal zweieinhalb Monate alt. Wir denken, dass gerade mit Baby der Campingurlaub im Kastenwagen ideal ist und haben euch hier mal eine kleine Zusammenfassung erstellt.

Die Fahrt

Urlaub mit dem Kastenwagen beinhaltet immer mehr oder wenige lange Autofahten. Natürlich wollen wir hier auch diesen Aspekt hier beschreiben auch wenn Fahrten mit dem normalen Auto ganz änliche Probleme und Lösungen mit sich bringen. Wir wollen dabei auch auf einige Besonderheiten am Kastenwagen hinweisen.

Fahrzeit

Je nachdem, wie alt euer Mini ist, müsst ihr früher oder später Pause machen. Gerade bei den ganz kleinen ist es wichtig, dass sie nicht zu lange sitzen. Das spricht auf den 1. Blick völlig gegen einen Roadtrip mit dem Kastenwagen. Der Kastenwagen hat aber einen riesigen Vorteil: Man kann überall einfach Pause machen. Ein einfacher Parkplatz genügt. Gerade kleine Babys sollen eigentlich viel aus dem Rücken liegen oder auf dem Bauch, um das Kopfheben zu trainieren. Und hier kommt der große Vorteil vom Kastenwagen. Hinten auf dem Bett hat man jede Menge Platz um sich auszustrecken, zu kuscheln und herum zu rollen und zu robben. Gerade das Kopfanheben übt sich im Bett vom Kastenwagen besonders gut. Der Ausblick aus den hinteren Fenstern ist ein ganz toller Ansporn!

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Wenn euer Baby schon etwas größer ist, dann sind lange Autofahrten nicht mehr ganz so kritisch. Natürlich sollte man auch als Erwachsener regelmäßig Pause machen und sich bewegen. Das gilt für alle, unabhängig vom Alter. Etwas ältere Babys haben vielleicht auch gar keine Lust, lange still zu sitzen. Wenn euer Kleines schon etwas mobiler ist, sind Pausen zum Toben ebenfalls sehr wichtig, um alle bei Laune zu halten. Auch das geht mit Kastenwagen super. Es soll ja auch Babys geben, die gerade beim Autofahren besonders gut schlafen. Zu denen hat unsere Maus nicht immer gezählt. Aber wenn es geklappt hat, war das natürlich sehr angenehm.

Langeweile

Auf den vielen Ausflügen kommt natürlich selten Langeweile auf. Aber auf den Fahrten kann das schon mal passieren. Das Internet ist natürlich voll von wirklich guten Tipps, wie man Babys und Kinder bei langen Fahrten bei Laune hält. Deswegen hier nur ganz kurz unsere wichtigsten Tipps:

  • Wenn möglich die Fahrzeit so anpassen, dass das Baby ohnehin schläft.
  • Immer eine gute Auswahl von Snacks bereithalten
  • Spiele, die man gut variieren kann und die lange beschäftigen.

Zum Thema Spiele sind hier unsere Top-Tipps

  • Kleine Bussyboards auf denen es immer etwas zu entdecken gibt.
  • Kuscheltiere, die auf der Rückenlehne sitzen
  • Eine Schatztasche, die man mit immer neuen Dingen befüllen kann. Die kann man auch perfekt improvisieren! Super sind Taschen mit Reißverschluss oder Druckknöpfen zum Öffnen und Verschließen.
  • Jongliertücher (fliegen toll durch die Gegend, kann man in die Schatztasche packen und vom verkleiden benutzen)
  • ein Fädelspiel (als Fädelspiel, Figuren betrachten, benennen, Geschichten ausdenken, Tierstimmen nachahmen, Füllung für die Schatztasche)

Generell gilt, dass Spiele, die vielfältig einsetzbar sind, für den Kastenwagen am besten geeignet sind, da man ja nicht zu viel Kram mitschleppen will. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Ein passender Autositz

Den passenden Autositz zu finden, ist bei den meisten Fahrzeugen nicht so einfach. Neigung und Form der Rückbank sind oft sehr unterschiedlich und die meisten Eltern sind wohl mit dem Puzzle “Welcher passt in meinen Wagen” vertraut. Beim Kastenwagen kommt dazu, dass es zumindest Stand heute kaum einen Kastenwagen mit ISOFIX gibt. Manche Hersteller bieten beim Neukauf ISOFIX an, aber bei den aktuellen Wartezeiten will das Kind vielleicht schon nicht mehr mit den Eltern in den Urlaub fahren, wenn der Kastenwagen dann endlich da ist. In einigen Foren findet man Diskussionen zu Nachrüstsätzen, aber für unsere Rücksitzbank gibt es offiziell keinen Nachrüstsatz. Wir haben uns also am Ende gegen eine ISOFIX-Bastellösung entschieden. Sitze, die nur mit dem Gurt befestigt werden, sind glücklicherweise laut ADAC nicht weniger sicher. Man muss nur darauf achten, dass der Sitz immer richtig angegurtet wird. Leider sind scheinbar bis zu 40% der Kindersitze mit Gurt nicht richtig befestigt, was schlimme Konsequenzen haben kann. Beim PKW ist außerdem der Gurt beim hineinsetzen des Kindes immer im Weg. Vielleicht passieren deswegen solche Fehler. Beim Kastenwagen ist das etwas einfacher. Man steht genau auf der anderen Seite als beim PKW also quasi auf der innen Seite und nicht außerhalb vom Wagen. Deshalb kann man ganz einfach erste den Sitz in Ruhe anschnallen und dann das Baby in den Sitz setzen. Da wir mit dem Kastenwagen ja im Urlaub sind und nicht auf der Flucht gilt für uns beim Sitz befestigen immer viel Zeit nehmen und vor der Abfahrt immer nochmal kontrollieren.

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Fahrzeit vermeiden

Ein heißer Tipp von uns sind Fähren. Gerade auf dem Weg von Deutschland nach Skandinavien stellt sich die Frage: über Land oder mit der Fähre? Natürlich sind die Kosten für die Überfahrten nicht zu vernachlässigen. Aber es ist eine Pause vom Autofahren für Eltern und Kind. In der Zeit legt man trotzdem etwas Strecke zurück und Fähren sind nach unserer Erfahrung super für Kinder. Es gibt viel zu sehen und zu entdecken. Seit unsere Tochter selbstständig Laufen kann liebt sie es die Fähre zu erkunden. Nach der eher langweiligen Fahrt sind die vielen Leute, das aus dem Fenster schauen, die Einkaufsmöglichkeiten und das Essen eine willkommene Abwechslung. Das Essen auf den meisten Fähren ist eher teures Fastfood. Viele bringen sich eigenes Essen mit. Wir haben das bisher nicht gemacht. Klar hat unsere Maus ein Gläschen bekommen, aber wir haben sie auch mal im Buffetrestaurant, das weniger Fastfood-mäßig ist, mit essen lassen. Wir sind da etwas lockerer und am Ende bekommt sie das ja auch nicht jeden Tag. Nach den Erlebnissen auf der Fähre ist die Weiterfahrt dann auch meistens wieder genehmigt.

Wohnen

Nun kommt der eigentliche Urlaubsteil. Am Ziel angekommen wohnt man nun im Kastenwagen mit Baby auf 11 - 13 m² je nach dem ob das Auto 5,40m, 6m oder 6,40m lang ist. Hier muss man manchmal etwas erfinderisch sein, aber es lohnt sich!

Temperatur

Unser erster Kastenwagenurlaub war Ende Mai uns es war nachts draußen noch ziemlich kalt. Ich hatte echte Bedenken, dass es nachts zu kalt wird im Auto. Die Heizung ist aber wirklich gut steuerbar. Man stellt eine feste Temperatur ein und wenn es kälter wird, springt die Heizung an. Das funktioniert wirklich ganz hervorragend und ist mit Baby wirklich ideal. Wir müssen dazu sagen, dass wir bisher nur in Skandinavien unterwegs waren und extreme Hitze im Sommer für uns noch kein Problem war.

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Hier aber auch ein wichtiger Tipp an alle Kastenwagenneulinge. Wenn ihr so wie wir mit einem Baby zum 1. Mal mit dem Katsenwagen unterwegs seid, dann macht euch mit der Bedienung gut vertraut, habt die wichtigen Anleitungen parat und wisst, wen ihr im Notfall anrufen könnt. Wir sind auf einer unserer ersten Touren mit unserem eigenen Auto abends an einem Stellplatz angekommen. Es war Herbst und schon recht kühl. Also erstmal die Heizung an…. Und es passierte nichts… Die Heizung Zeigte nur EXXX an und No reset 20 Minutes. Also erstmal ein Schreck a la “Was sind wir nur für Rabeneltern und lassen unser Baby hier erfrieren?!?!” (So schlimm war es natürlich nicht, aber in einem solch stressigen Moment - am Besten kommt noch Hunger oder eine volle Windel dazu - denkt man ja nicht immer rational). Kurzes Betriebsanleitung Studieren ergab dann aber, dass nach den 20 Minuten wieder alles funktioniert wie bisher. Also habt die Anleitungen immer parat und wie immer im Elternleben behaltet einen kühlen Kopf!

Schlafen

Zu Hause haben wir ein Beistellbett und haben so eine für uns praktikable Variante des Co-Sleeping/Familienbett. Im Kastenwagen haben wir das einfach so ähnlich umgesetzt. Ein Babynest diente bei uns als Schutz, damit unsere Tochter ihren sicheren Bereich hatte. Das haben wir ganz oben ans Kopfende gelegt und wir haben eher etwas tiefer geschlafen. Wir sind beide nicht besonders groß und somit war es für uns keine Einschränkung. Dadurch haben wir sichergestellt, dass wir unsere Tochter gerade am Anfang nicht im Schlaf überdecken.

BILD Babynest im Bett

Zusätzlich haben wir in unserem Querschläfter verkehrt herum gelegen. Also die Köpfe auf der Badseite. Dort ist das Bett zwar etwas schmaler, aber dafür kann man an der Badseite nicht herausfallen. Wir wollten, dass unsere Tochter nicht hinten an den Türen liegt. Wir haben zwar einen Thermovorhang, aber gerade, wenn es draußen windig war hat es dann doch leicht gezogen.

Wickeln und Baden

Natürlich hat man im Kastenwagen keine Wickelkomode dabei. Das ist aber auch nicht notwendig, denn das Wickeln kann man auch auf dem Bett erledigen. Bei uns hat da jeder seine eigenen Vorlieben. Ich knie immer mit auf dem Bett. Peter steht meistens im Gang vor dem Bett, was dann genauso ist, wie der Wickeltisch zu Hause. Am Anfang hatten wir einfach unsere Schaumstoffauflage dabei, um sicherzustellen, dass kein Unglück passiert. Das ist aber doch eher unhandlich und mittlerweile haben wir eine zusammenfaltbare Wickelunterlage für unterwegs dabei. Das ist für uns völlig ausreichend. Bei größeren Geschäften ist es aber manchmal ganz gut 2 Paar Hände zu haben um einen kleinen Unfall zu vermeinden ;)

Ansonsten ist alles (Utensilien, Abläufe, etc.) wie zu Hause. Wir verstauen die Wickelsachen immer in einem Oberschrank direkt über dem Bett, so hat man alles griffbereit. Und volle Windeln sollten lieber so schnell wie möglich außerhalb vom Auto entsorgt werden.

Zum Baden haben wir verschiedene Möglichkeiten ausprobiert. Für Kurztrips reicht es schon völlig aus vor der Abfahrt noch einmal zu Baden und unterwegs dann nur mit dem Waschlappen Morgends uns Abends eine gründliche Katzenwäsche vorzunehmen. Gerade die Kleinsten toben ja noch nicht so sehr herum. Auf längeren Fahrten hatten wir schon unsere Faltwanne dabei. Dank der Heizung kann man es im Auto kuschelig warm machen und auch das Wasser gut temperieren. Auch wenn man die Wanne zusammenfalten kann hat man ein recht unhandliches und sperriges Gepäckstück dabei. Außerdem ist Wasser im Kastenwagen immer ein recht knappes Gut und ein volles Bad ist das ganz schön verschwenderisch. Alternativ zum Baden kann man natürlich auch Duschen. Entweder am Campingplatz oder im eigenen Bad. Daran musste sich unsere Kleine erstmal gewöhnen. Das Wasser aus der Duschbrause war irgendwie gruseig. Auf dem Arm klappt es aber ganz gut. Dann kann das Duschen im Kastenwagen je nach Größe vom Bad allerdings spannend werden. Das Schwenkbad vom Pössl ist für uns wirklich ideal und gerade groß genug.

Essen - Stillen, Fläschchen, Beikost

Unterwegs mit einem Stillkind ist wirklich ganz einfach. Das kleine kann bei Bedarf an die Milchbar und fertig.

Wir haben während unserer ersten Ausfahrt aber auch noch zusätzlich Fläschchen gekocht. Im Kastenwagen hat man eine kleine Küche dabei. Wasser abkochen, Fläschchen zubereiten und sterilisieren ist also alles kein Problem. Wir haben für die Babynahrung extra Flaschenwasser gekauft. Da wir mit der Wasserkonservierung noch keinerlei Erfahrung hatten und es ja auch ein Mietfahrzeug war, war das notwendig. Aber auch heute, mit etwas mehr Erfahrung würden wir empfehlen sicheres Flaschenwasser zu verwenden. Leitungswasser aus einer vertrauenswürdigen Quelle geht natürlich auch. Nur das Wasser aus dem Wassertank würden wir eher nicht benutzen.

Bei der Beikosteinführung wurde es schon etwas spannender. Gläschen unterwegs mit dem eigenen Herd warmzumachen ist natürlich überhaupt kein Problem. Nachschub kann man auch so ziemlich über all bekommen. Das ist auch mitunter recht spannend zu sehen, was Babys in anderen Ländern so essen. Zum füttern nimmt man am einfachsten das Baby auf den Schoß und mit etwas Glück geht das auch recht sauber über die Bühne. Im Sommer bietet es sich natürlich an, zum Essen draußen zu sitzen. Wenn dann mal etwas runterfällt, ist das auch nicht so schlimm. Aber was, wenn das Wetter nicht mit spielt? Wir sind viel in Skandinavien unterwegs und sitzen aus verschiedenen Gründen zum Essen oft drinnen (Temperatur, Wind, Platz, etc.). Dafür haben wir uns nach etwas experimentieren einen Kinderstuhl gebastelt. Im Handumdrehen wird aus dem Beifahrersitz mit ein paar Handtüchern und dem bekannten IKEA Antilop ein passabler Kinderstuhl. Wir haben immer ein paar extra Handtücher zum Abdecken dabei. Die bekommt man eben einfacher sauber als die Sitzpolster. Natürlich ist das kein richtiger Hochstuhl und es sollte auf jeden Fall immer ein Erwachsener daneben sitzen.

BILD vom Stuhl

Kindersicher

Eine Wohnung komplett kindersicher zu machen ist eine Herausforderung. Es gibt viel zu tun, verschiedene Formen von Sicherungen anzubringen, Schränke an die Wand Schauben und vieles mehr. Im Kastenwagen haben die Schränke für die Fahrt ohnehin eine Sicherung, das sogenannte Push-Lock. Sind die Knöpfe eingedrückt ist der Schrank verriegelt. Die Druckknöpfe sind schwer genug, dass unsere Tochter sie mit 1,5 Jahren zwar äußerst interessant findet, sie aber nicht alleine öffnen kann. Wir sind gespannt wie lange das so bleibt.

BILD Push-lock

Im Fahrerhaus wird es schon etwas spannender. Hier muss man wirklich gut darauf achten, dass nichts herumliegt, das gefährlich sein könnte. Unbeaufsichtigt sollte hier dann doch kein so kleines Kind spielen. Die vielen Knöpfe in der Mittelkonsole sind eine gute Beschäftigung. Wenn ihr einen Kastenwagen stehen seht bei dem pötzlich das Warnblinklicht angeht, dann könnten wir das sein.

Ziemlich stolz sind wir auf unseren selbstgebauten Laufstall. Das Bett im hinteren Bereich vom Kastenwagen ist schließlich schon an 3,5 Seiten geschlossen. Die übrige halbe Seite kann man einfach mit einem Bettzaun abtrennen.

Auch hier muss man natürlich trotzdem aufpassen. Sobald die kleinen anfangen sich hoch zu ziehen ist der Bettzaun auch keine Hürde mehr. Solche neuen Fähigkeiten kommen meistens dann, wenn man nicht damit rechnet. Es versteht sich also von selbst, das auch hier immer ein Erwachsener in der Nähe sein muss. Beim Kochen ist das aber wirklich super. Das Knd ist in sicherem Abstand zum Herd und kann aber genau beobachten was da vor sich geht.

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